nachts ist die stadt menschenleer. nur eine einsame omi kramt in der mülltonne am anfang der fußgängerzone nach verwertbaren sachen. aus den schaufenstern starren mich leere puppengesichter an und mir auf dem fahrrad hinterher. der fahrtwind weht durch mein haar und ich spüre eine dynamik, die mich mitreißt. es scheint als ob die puppen aufwachen und lebendig werden. aber angst habe ich keine. ich genieße die stille und die gesellschaft der puppen und fühle mich wohl in meiner haut. mit der musik aus den ohrstöpseln fahre ich weiter bis die geisterstadt lebendig wird und sich die puppen in partyfeiernde teenager und besoffene studenten verwandeln. eine stadt, die wieder ganz die alte ist.
engelohnefluegel - 16. Mär, 23:32
mir fällt ein stein vom herzen! ich hab auf die verbotene blog-seite meines exfreundes geschaut: l. hat nen eintrag geschrieben. es geht ihm gut und er wird in 5 tagen japan verlassen. ich hatte mir wahnsinnige sorgen gemacht, zumal meine sms, die ich vor 4 tagen geschrieben hatte, nicht zugestellt wurde. auf handys und anderen bindenden kram, legte er allerdings noch nie großen wert, und ich hatte an die möglichkeit des nicht-mitgenommenen handys wohl auch schon gedacht…
was er schreibt, ist erstaunlich, fast unvorstellbar:
ich haenge hier in japans sueden und erlebe japanischen alltag, als waere nirgends katastrophe, ich erlebe deutsche panik in meinem email eingang, die angesichts immer neuer havarien durchaus berechtigt klingt, ich erlebe reisende, denen das alles voellig egal ist, waehrend sie von stadt zu stadt und von hostel zu hostel geistern.[…]
was ich angesichts der ganzen geschichte nicht verstehe ist, dass sie in tokyo uebers stromsparen nachdenken und hier unten weiter lcd screens in den yoghurtregalen laufen.
engelohnefluegel - 16. Mär, 17:31